Dieser Artikel enthält im Anschluß an die deutsche Fassung eine englische Übersetzung. / This article includes an English translation following the German version.
Einleitung
„Can we do this in English?" – eine Frage, die ich als Berliner Notar fast täglich höre. Die kurze Antwort: Ja, bei mir geht das. Die etwas längere Antwort erklärt, welche verschiedenen Wege es gibt – und welcher für Sie der beste ist.
Bei Immobilientransaktionen mit internationaler Beteiligung ist die Sprachfrage keine Nebensache. Sie betrifft den Kern dessen, was eine notarielle Beurkundung leisten soll: daß alle Beteiligten verstehen, was sie unterschreiben.
Der zweisprachige Entwurf: Meine Standardlösung
Bei Beteiligten, die auch Englisch sprechen, fertige ich idR. einen zweisprachigen Vertragsentwurf an – deutsch und englisch in einem Dokument, meist in zwei Spalten nebeneinander.
Dabei gilt: Die deutsche Fassung ist die rechtlich verbindliche. Die englische Fassung dient zu Informationszwecken. Das wird im Vertrag selbst auch so festgehalten. Wenn Sie den deutschen Text nicht lesen können, haben Sie dennoch die vollständige englische Übersetzung vor Augen, die jeden Satz, jede Klausel widerspiegelt.
Wichtig: Daß ein zweisprachiger Entwurf erstellt werden soll, muß mir bei Auftragserteilung mitgeteilt werden. Dann kann ich die Übersetzung von Anfang an parallel erstellen. Das kostet nichts extra – es ist im normalen Honorar enthalten.
Beurkundung auf Englisch: Ja, das geht
Wenn alle Beteiligten Englisch sprechen, kann ich die Beurkundung selbst auf Englisch durchführen. Das bedeutet: Ich verlese den Text auf Englisch, ich erläutere auf Englisch, wir diskutieren auf Englisch.
Der Vertragstext bleibt zwar in deutscher Sprache – das verlangt das Beurkundungsgesetz für Grundstücksgeschäfte. Aber die gesamte mündliche Kommunikation im Termin kann auf Englisch stattfinden.
Das ist besonders praktisch für internationale Käufer. Ich habe regelmäßig Mandanten aus Indien, aus verschiedenen asiatischen Ländern oder aus dem Nahen Osten, deren Muttersprache weder Deutsch noch Englisch ist – die aber fließend Englisch sprechen und auf Englisch beurkunden möchten. Das funktioniert ohne Dolmetscher.
Wann ein Dolmetscher erforderlich ist
Ein Dolmetscher wird dann benötigt, wenn ein Beteiligter weder Deutsch noch Englisch ausreichend beherrscht, um der Beurkundung zu folgen.
Der Dolmetscher übersetzt in dem Fall:
- den Vertragstext (abschnittsweise während der Verlesung),
- meine Erläuterungen,
- die Fragen und Antworten,
- die rechtlichen Belehrungen.
Die Zielsprache kann die Muttersprache des Beteiligten sein – oder Englisch, wenn er das fließend spricht. In der Praxis bedeutet das: Ein chinesischer Käufer, der kein Deutsch, aber gutes Englisch spricht, kann einen Deutsch-Englisch-Dolmetscher oder einen Deutsch-Chinesisch-Dolmetscher verwenden.
Die Alternative: Vertretung durch Bevollmächtigten
Es gibt noch einen dritten Weg, der in der Praxis häufig gewählt wird: Der nicht-deutschsprachige Beteiligte erteilt einem Bevollmächtigten Vollmacht, der dann in seinem Namen handelt.
Wenn der Bevollmächtigte Deutsch spricht, entfällt das Dolmetschererfordernis vollständig. Der Vollmachtgeber muß nicht persönlich beim Beurkundungstermin erscheinen.
Der zweisprachige Entwurf ist in diesem Fall besonders wertvoll: Der Vollmachtgeber kann den Vertrag vorab in Ruhe auf Englisch lesen und verstehen, Fragen klären und dann informiert die Vollmacht erteilen. Beim eigentlichen Termin sitzt dann nur der deutschsprachige Bevollmächtigte.
Mein Dolmetschernetzwerk
Wenn ein professioneller Dolmetscher hinzugezogen werden soll, arbeite ich gern mit dem Büro Zänker zusammen (www.zaenker.de). Die Zusammenarbeit ist seit Jahren eingespielt, die Dolmetscher kennen notarielle Abläufe und die rechtliche Fachterminologie.
Zum zeitlichen Vorlauf: - Gängige europäische Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch, Russisch): Ein Vorlauf von einigen Tagen reicht in der Regel aus. - Seltenere Sprachen (Chinesisch, Arabisch, Farsi, Vietnamesisch und andere): Hier sollten Sie rund zwei Wochen einplanen.
Die Dolmetscherkosten trägt derjenige, der den Dolmetscher benötigt. Sie liegen je nach Sprache und Termindauer typischerweise zwischen 300 und 600 Euro.
Welcher Weg ist der richtige für Sie?
Option 1: Zweisprachiger Entwurf + englische Beurkundung
- Für: Beteiligte, die Englisch fließend sprechen
- Vorteil: Kein Dolmetscher erforderlich, keine Zusatzkosten für Dolmetscher
- Voraussetzung: Alle Beteiligten sprechen Englisch
Option 2: Zweisprachiger Entwurf + Bevollmächtigter
- Für: Beteiligte, die nicht persönlich erscheinen können oder wollen
- Vorteil: Kein Dolmetscher erforderlich, flexibler Terminplan
- Voraussetzung: Vertrauensperson mit Deutschkenntnissen verfügbar
Option 3: Dolmetscher
- Für: Beteiligte mit oder ohne ausreichende Englischkenntnisse, die persönlich erscheinen möchten
- Vorteil: Verständnis in der Muttersprache gesichert
- Nachteil: Zusatzkosten, längerer Termin, Vorlaufzeit für Buchung
Der Ablauf bei mir
Wenn Sie mich mit einer Beurkundung beauftragen und nicht-deutschsprachige Beteiligte dabei sind, klären wir zu Beginn:
- Welche Sprachen sprechen alle Beteiligten?
- Soll ein zweisprachiger Entwurf erstellt werden?
- Erscheinen alle persönlich oder wird jemand vertreten?
- Wird ein Dolmetscher benötigt?
Je früher wir das klären, desto besser kann ich planen – insbesondere wenn ein Dolmetscher für eine seltenere Sprache gebucht werden muß.
Fazit: Verständnis hat viele Wege
Das deutsche Beurkundungsrecht verlangt, daß alle Beteiligten verstehen, was sie unterschreiben. Wie dieses Verständnis sichergestellt wird, ist flexibler als viele denken.
Ob englische Beurkundung, zweisprachiger Entwurf, Bevollmächtigter oder Dolmetscher – wir finden den Weg, der zu Ihrer Situation paßt. Teilen Sie mir einfach bei der Auftragserteilung mit, welche Sprachen im Spiel sind. Den Rest regeln wir.
Tobias Scheidacker
Notar in Berlin
English Version
Contract Language and Interpreters: How I Handle Notarizations with Non-German-Speaking Parties
“Can we do this in English?”—a question I hear almost daily as a Berlin notary. The short answer: Yes, with me you can. The slightly longer answer explains the various options—and which one is best for you.
In real estate transactions with international involvement, the language question is not a side issue. It goes to the heart of what notarization is meant to achieve: that all parties understand what they are signing.
The Bilingual Draft: My Standard Solution
For parties who also speak English, I frequently prepare a bilingual contract draft—German and English in one document, usually in two columns side by side.
The rule is: The German version is legally binding. The English version serves informational purposes. This is also recorded in the contract itself. If you cannot read the German text, you still have the complete English translation before you, reflecting every sentence, every clause.
Important: If you want a bilingual draft, you need to let me know when placing your order. Then I can create the translation in parallel from the start. There is no extra charge—it’s included in the standard fee.
Notarization in English: Yes, It’s Possible
If all parties speak English, I can conduct the notarization itself in English. This means: I read out the text in English, I explain in English, we discuss in English.
The contract text remains in German—the Notarization Act requires this for real estate transactions. But all oral communication during the appointment can take place in English.
This is particularly practical for international buyers. I regularly have clients from India, from various Asian countries, or from the Middle East, whose native language is neither German nor English—but who speak fluent English and want to have their notarization conducted in English. This works without an interpreter.
When an Interpreter Is Required
An interpreter is needed when a party does not speak German or English well enough to follow the notarization.
The interpreter then translates: - the contract text (section by section during the reading), - my explanations, - the questions and answers, - the legal advisories.
The target language can be the party’s native language—or English, if they speak it fluently. In practice, this means: A Chinese buyer who speaks no German but good English kann use a German-English or a German-Chinese interpreter.
The Alternative: Representation by an Authorized Representative
There is a third way, frequently chosen in practice: The non-German-speaking party grants power of attorney to a representative who then acts on their behalf.
If the representative speaks German, the interpreter requirement is eliminated entirely. The principal does not need to appear personally at the notarization appointment.
The bilingual draft is particularly valuable in this case: The principal can read and understand the contract in English in advance, clarify questions, and then grant the power of attorney on an informed basis. At the actual appointment, only the German-speaking representative is present.
My Interpreter Network
When a professional interpreter is needed, I like to work with Zänker Bureau (www.zaenker.de). The collaboration has been well-established for years, and the interpreters know notarial procedures and legal terminology.
Regarding lead time: - Common European languages (French, Spanish, Italian, Polish, Russian): A few days’ notice is usually sufficient. - Less common languages (Chinese, Arabic, Farsi, Vietnamese, and others): You should plan for about two weeks.
The interpreter costs are borne by whoever needs the interpreter. Depending on language and appointment duration, they typically range between 300 and 600 euros.
Which Path Is Right for You?
Option 1: Bilingual draft + English notarization
- For: Parties who speak English fluently
- Advantage: No interpreter required, no additional costs for an interpreter
- Requirement: All parties speak English
Option 2: Bilingual draft + authorized representative
- For: Parties who cannot or do not want to appear personally
- Advantage: No interpreter required, flexible scheduling
- Requirement: Trusted person with German language skills available
Option 3: Interpreter
- For: Parties with or without sufficient English skills who want to appear personally
- Advantage: Understanding in native language assured
- Disadvantage: Additional costs, longer appointment, lead time for booking
The Process with Me
When you instruct me for a notarization and non-German-speaking parties are involved, we clarify at the outset:
- What languages do all parties speak?
- Should a bilingual draft be prepared?
- Will everyone appear personally, or will someone be represented?
- Is an interpreter needed?
The sooner we clarify this, the better I can plan—especially if an interpreter for a less common language needs to be booked.
Conclusion: Understanding Has Many Paths
German notarization law requires that all parties understand what they are signing. How this understanding is ensured is more flexible than many think.
Whether English notarization, bilingual draft, authorized representative, or interpreter—we will find the path that suits your situation. Simply let me know when placing your order what languages are involved. We’ll handle the rest.
Tobias Scheidacker
Notary in Berlin

